Freitag, 13. März 2009

Zur Kritik der Modularisierung und des Credit-Point-Systems - Ein Diskussionsbeitrag

Der sogenannte Bologna-Prozess der Hochschulreform ist in vollem Gange. Mittlerweile wurden sämtliche Studiengänge modularisiert und die meisten davon auch auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Wer "zu spät geboren" wurde oder das Abi auf dem zweiten Bildungsweg gemacht hat und deshalb erst jetzt ein Studium beginnt, hat zunächst einmal gar keine andere Möglichkeit, als sich mit dem neuen System zu arrangieren.

Dass die neuen Studiengänge Realität sind, ist jedoch kein Grund, nicht kritisch zu fragen, was diese an Veränderung bedeuten. Der folgende Beitrag beschränkt sich im Wesentlichen auf eine kritische Analyse der Modularisierung und insbesondere des Systems der Credit Points bzw. Leistungspunkte. Diese Elemente sind Bestandteil sowohl des Bachelors als auch des Masters sowie der noch nicht auf die neuen Abschlüsse umgestellten modularisierten Lehramtsstudiengänge. Darüber hinaus wäre eine Analyse des Systems der zwei- bzw. dreistufigen Studienabschlüsse zu leisten.

Anliegen der im Folgenden geäußerten Kritik ist nicht die Idealisierung der alten Studiengänge, sondern eine nüchterne Betrachtung dessen, wie sich Studium unter den Bedingungen von Modularisierung und Leistungspunkten verändert.


Gestiegene Arbeitsbelastung

Ein Beispiel: Regelstudienzeit im alten Studiengang Diplom-Pädagogik waren neun Semester. Dabei mussten im Grundstudium neun Scheine, im Hauptstudium acht erworben werden. Dazu kam ein vierwöchiges Pflichtpraktikum im Grundstudium sowie zwei vier- bzw. achtwöchige Praktika im Hauptstudium. Selbstverständlich waren mit den Scheinen noch nicht alle prüfungsrelevanten Bereiche abgedeckt und der Besuch weiterer Lehrveranstaltungen nötig bzw. sogar in der Studienordnung festgeschrieben. Darum brauchte man sich jedoch nicht weiter zu kümmern, gab es doch keine Stelle, die kontrollierte, ob man diese Seminare tatsächlich besucht oder sich dafür entschieden hatte, sich die Prüfungsliteratur selbständig anzueignen und stattdessen Seminare zu besuchen, die nicht im engeren Sinne prüfungsrelevant waren, eineN aber stärker interessierten.

Wer BA Erziehungswissenschaften studiert, dem/der werden dagegen innerhalb von sechs Semestern 84 Semesterwochenstunden (plus zwei jeweils vierwöchige Praktika) aufgebrummt, was auf durchschnittlich 14 SWS hinausläuft. Mit diesen 14 Stunden ist es aber noch nicht getan, denn wie in anderen BA's wird auch hier der erfolgreiche Studienfortschritt durch die Vergabe von Leistungspunkten nach dem European Credit Transfer System (ECTS) gemessen. Diese Leistungspunkte sind als "Maß für den Arbeitsaufwand, der für den Studenten mit der Einbringung ... verbunden ist" (vgl. § 11 der Prüfungsordnung des BA Erziehungswissenschaften) konzipiert. Das bedeutet, dass jede Lehrveranstaltung und die dafür nötige Vor- und Nachbereitungszeit sowie die in diesem Zusammenhang geforderte Prüfungsleistung in einen durchschnittlich dafür notwendigen Arbeitsaufwand umgerechnet wird.

Für den sechssemestrigen Bachelor Erziehungswissenschaft sind dabei insgesamt 180 Credit Points bzw. (umgerechnet in Arbeitsstunden, wobei ein CP dreißig Stunden entspricht) 5400 Stunden zu erbringen. Das macht aufs Semester gerechnet 900 Stunden, was bei 26 Wochen pro Semester bedeutet, dass Bachelor-Studierenden eine durchschnittliche Wochenstudienzeit von 34,6 h zugemutet wird (in dieser Rechnung außen vor gelassen sind die zweimal vier Wochen Pflichtpraktikum, die die Wochenstudienzeit entsprechend erhöhen, für die aber keine Credit Points vergeben werden). Wenn man von einer normalen Vollzeitwoche mit 40 h ausgeht, würde das bedeuten, dass Bachelor-Studierende etwas mehr als 5 Stunden die Woche Zeit zum Jobben haben. Dass das bei den für Studie-Jobs üblichen Stundenlöhnen (insbesondere den lachhaften HiWi-Löhnen) vorne und hinten nicht für ein anständiges Leben reicht (auch wenn man noch Bafög oder Kindergeld bekommen sollte), versteht sich von selbst. Ergo wurde bei der Einführung des Bachelors entweder darauf gesetzt, dass Studierende ruhig mehr schuften können, als durchschnittliche ArbeitnehmerInnen oder eben ganz selbstverständlich von ihren Eltern mitgetragen werden müssen. Dass diese Voraussetzung zumindest bisher nicht alle Studierenden mitgebracht haben, dürfte bekannt sein. Wen solche Bedingungen vor allem von einem Studium abschrecken, ist ebenfalls leicht ersichtlich: diejenigen potentiellen Studierenden, die schon bisher erschwerte Voraussetzungen hatten, die Selektionshürden des deutschen Bildungssystems erfolgreich zu bewältigen. Es sei hier nur nebenbei erwähnt, dass seit der Einführung allgemeiner Studiengebühren in Bayern zum Sommersemester 2007 noch einmal 1000 Euro mehr pro Studienjahr aufzutreiben sind.


Das Märchen von der höheren Mobilität dank ECTS

Ein zentraler Bestandteil des Bachelors ist die bereits erwähnte Einführung des ECTS. Begründet wurde diese damit, dass so eine höhere Mobilität von Studierenden ermöglicht werde, stellen Credit Points doch so etwas wie eine Bildungswährung dar. Faktisch ist es jedoch zumindest heute noch so, dass die Studiengänge verschiedener Unis innerhalb und außerhalb Deutschlands trotz Umstellung auf Credit Points so unterschiedlich sind, dass Leistungen kaum angerechnet werden. Musste früher bei Hochschulwechsel der Nachweis erbracht werden, dass die in den Scheinen bestätigte Studienleistung mit den Anforderungen der neuen Hochschule vergleichbar ist, so hat sich dieses Problem mit der Modularisierung häufig verschärft. Zwar gilt entsprechend einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz auch an anderen Hochschulen in der Regel die Umrechnung: 1 CP entspricht 30 Stunden Workload, die Module sind jedoch von Uni zu Uni kaum vergleichbar und die in einem Modul jeweils geforderte Anzahl an Credit Points variiert.

Nochmal am Beispiel BA Erziehungswissenschaft: Der BA Erziehungswissenschaft in Augsburg schreibt zwei sozialwissenschaftliche Pflichtmodule vor. In Psychologie sind dabei 18 Leistungspunkte, in Soziologie und Politikwissenschaft 26 zu erbringen. Im BA Erziehungswissenschaft an der Uni Tübingen entsprechen diesen sozialwissenschaftlichen Pflichtmodulen die sogenannten Beifächer Psychologie und Soziologie, wobei in beiden Beifächern jeweils zwölf Credit Points zu erwerben sind. Wer also bspw. nach dem 4.Semester von Augsburg nach Tübingen wechseln will, wird u.U. feststellen, dass er zu viel Zeit mit diesen Nebenfächern verschwendet hat und ihm dafür in anderen Modulen Punkte fehlen, die nachgeholt werden müssen. Umgekehrt wird eine Studentin, die nach einigen Semestern von Tübingen nach Augsburg wechseln will feststellen, dass ihre im Beifach Soziologie erworbenen Credit Points bei weitem nicht ausreichen bzw. sie mit Politikwissenschaften hier ein zusätzliches Fach studieren muss.

Dass der Bachelor die Mobilität von Studierenden erleichtert, ist also eher ein schönes Propagandamärchen, was in letzter Zeit sogar von BefürworterInnen des Bologna-Prozesses eingestanden wurde.1 Dies wird in der Regel jedoch mit der noch unzureichenden Umsetzung der Reform betrachtet, also als ein Problem, das sich im Laufe der Zeit und mit ein bisschen gutem Willen in den Griff kriegen lässt. Gänzlich unbetrachtet bleibt dagegen aber häufig, welche qualitative Veränderung die Einführung des ECTS bedeutet.


Pädagogikseminar = ½ Bachelor-Arbeit = 6 CP = 180 Stunden

Dazu wiederum einige Beispiele aus dem BA Erziehungswissenschaft in Augsburg: Für den Besuch einer zweistündigen Vorlesung zur Einführung in die Psychologie mit abschließender 60minütiger Klausur gibt es 4 Leistungspunkte. Damit wird die Vorlesung einem zweistündigen Seminar zur vertiefenden Einführung in die Pädagogik der Kindheit und Jugend, das mit einer kleinen Hausarbeit abgeschlossen wird, gleichgesetzt. Für beides gibt es nämlich vier Punkte. Oder: Ein zweistündiges Seminar zu Grundformen pädagogischen Handelns mit abschließender Hausarbeit entspricht einer halben Bachelor-Arbeit, nämlich sechs Credit Points bzw. 180 Stunden Workload.

Dass in diesem Denken eine halbe Bachelor-Arbeit vorstellbar ist, offenbart den ganzen Unsinn der Vergleichbarkeit bzw. deren Grenze. Vergleichen lässt sich nämlich nur eine Abstraktion, der durchschnittlich geschätzte Workload (der notwendig relativ willkürlich festgelegt werden musste), nicht jedoch die Bachelor-Arbeit mit dem Seminar zu Grundformen pädagogischen Handelns, stellen beide doch ziemlich unterschiedliche Anforderungen und Tätigkeiten dar. Das eine ist eine selbständige wissenschaftliche Arbeit, für die Literatur recherchiert, ggfs. Interviews geführt und ausgewertete werden etc. Das andere besteht vor allem aus dem Zusammenkommen mit anderen Studierenden und einer Lehrperson, Rollenspielen und einer darauf reflektierenden Arbeit.

Mit den Credit Points werden also qualitativ völlig unterschiedliche Dinge gleichgesetzt. Damit liegt eine Analogie zum Geld nahe. Auch dieses verhält sich gleichgültig gegenüber dem Konkret-Sinnlichen: Ein Coffee to go im Pow Wow kostet 2,70 Euro und ein Bier im Lamm dasselbe. Dass beides nicht dasselbe ist, ist im Geld nicht mehr zu sehen und diesem auch egal. Genauso ist in den Credit Points nicht mehr ersichtlich, worauf sie beruhen. Workload ist Workload.

Nun stellte zweifellos auch das alte System der Scheine eine gewisse Vergleichbarkeit des Studiums sicher. Schließlich waren auch die alten Studiengänge darauf ausgerichtet, künftige (wissenschaftliche) Arbeitskräfte zu produzieren. Allerdings war das Ganze noch nicht derart durchkalkuliert. Vorgeschrieben war relativ allgemein, dass in einem bestimmten Bereich, beispielsweise in der sogenannten Bezugsdisziplin Soziologie, ein Proseminarschein zu erbringen war und dass dieser aus dem Bereich Sozialstruktur, Familiensoziologie, Bildungssoziologie oder Abweichendes Verhalten zu stammen hatte. Nun konnte man nach dem Prinzip des geringstmöglichen Aufwands verfahren und eine Standardhausarbeit zu einem der üblichen Themen abliefern, oder ein Interesse entwickeln, sich genauer mit einem Thema auseinander zu setzen und eine längere Arbeit zu schreiben, die entsprechend mehr Arbeits- und Zeitaufwand bedeutete. Dazu musste man nur klären, ob der/die DozentIn damit einverstanden ist. Da in vier Semestern Grund- bzw. Hauptstudium insgesamt nur neun bzw. acht Scheine zu erbringen waren, konnte man durchaus mal mehr Zeit für eine Arbeit verwenden. Mit dem im Bachelor vorausgesetztem Workload ist so etwas kaum mehr drin.

Der Vergleich mit den alten Scheinen und Geld zeigt, dass Vergleichbarkeit und Abstraktion keine neuen, nur dem Credit-Point-System eigenen Phänomene sind. Vielmehr gehören diese zur Grundstruktur kapitalistischer Vergesellschaftung. Allerdings macht die Gegenüberstellung von Scheinen und Leistungspunkten auch deutlich, dass die rationale Kalkulation im Hochschulbereich mit der Einführung des ECTS eine neue Qualität erfährt und unmittelbarer denn je zum Ideal an sich wird. Bot das alte System noch relativ große Spielräume für individuelle Entscheidungen, so sind diese im neuen auf ein Minimum zusammen geschrumpft. Dies lässt sich auch daran feststellen, dass mit der Umstellung auf den Bachelor das Angebot der Lehrveranstaltungen immer gleichförmiger wird: Jedes Wintersemester wird Einführung A, B und C für das erste Studiensemester, jedes Sommersemester Seminar D, E und F für das zweite Studiensemester angeboten und ist man dann im dritten Semester werden einem dieselben Sachen präsentiert, die der Vorjahrgang zur Auswahl hatte. "Exotische" Seminare, die stets nur einen kleinen Kreis angesprochen haben, finden sich deutlich seltener, da sie als in den Modulhandbüchern nicht vorgesehen interpretiert werden.2


Fazit

Nicht nur, dass das Leistungspunktesystem zumindest aktuell die doch so erwünschte Mobilität der Studierenden eher behindert als unterstützt. Die rationale Vergleichbarkeit, für die das ECTS stehen soll, entlarvt sich bei genauerer Betrachtung als Schein von Rationalität - zumindest soweit mit Rationalität noch etwas anderes gemeint sein soll als Kalkulation. Verglichen werden kann nur so etwas wie der durchschnittliche Workload, wobei von den Inhalten und Qualitäten abstrahiert werden muss. Das aber ist Rationalität ohne Vernunft - nun eben auch in einem neuen Maße an den Hochschulen.


1vgl. den Projektbericht der Hochschul Informations System GmbH vom April 2007 zu Internationaler Mobilität im Studium und vom Februar 2008 zu Mobilität und Mobilitätshindernissen in gestuften Studiengängen innerhalb Deutschlands

2Verantwortung hierfür tragen diejenigen, die mit der Auslegung der Modulhandbücher beschäftigt sind. Obwohl die Formulierungen der Modulhandbücher in der Regel sehr allgemein und vage sind, wird häufig aus deren bloßer Existenz geschlossen, dass Freiheiten bei der Themenfindung der Seminare nun endgültig der Vergangenheit angehören und gleichzeitig über das "Korsett Bachelor" geschimpft, statt auf die Idee zu kommen, dass die in den Modulen enthaltenen Formeln momentan noch ausgelegt werden müssen, jetzt also der Zeitpunkt wäre, an dem man sich durch entsprechend großzügige Auslegung auch im neuen System gewisse Handlungsspielräume erhalten könnte.

Dienstag, 24. Februar 2009

Bachelor = Berufschule!!!

Psychogramm studentischer Geisteskapitulation-

oder wo sich der Chef vom Dienst prestigeverdächtig den Ar... aufreisst!

Hier steht es - ohne zeitliche Begrenzung.

Dieses Projekt der Gegenaufklärung stellt de facto das Ende der Universität dar. Die Autonomie des Geistes fällt der Evaluitis, dem Tabellenfetischismus und der industriellen Sammlung von credit points ohne größere Störgeräusche zum Opfer. Dass solche Unterwürfigkeit der zum Idol erhobenen angelsächsischen Wissenschaftskultur, mittlerweile durch führende Köpfe studentischer Boulevardpresse von jeglicher Kritik entbunden gesehen werden möchte, ist dafür nur bezeichnend.

Die Modularisierung unterliegt primär einer Absicht: Der Anpassung des tertiären Bildungsbereichs an den durch Wettbewerb geregelten (Bildungs)Markt. Der Geist wird an den Imperativ der Zweckmäßigkeit, Nützlichkeit und Verwertbarkeit gekettet. Bildung soll den Akkumulationsbedürfnissen entsprechend kapitalisierbar werden.
„Menschen, die durch ein derart geregeltes Studium hindurchgegangen sind, ganz auf Mittel ausgerichtet werden, müssen fast stets positivistisch-pragmatische Gesinnung, wenn nicht geradezu Feindschaft gegen das Denken entwickeln und sich mit dem, was ihnen durch die Verdinglichung des Geistes angetan wird, auch noch identifizieren.“
(Horkheimer: Fragen des Hochschulunterrichts, S.405 f.)

Für diese fundamentalen Veränderungen, die den Menschen zu einem Fabrikstück machen, tragen die Studenten keine Verantwortung. Problematisch wird es allerdings, wenn sie diesen Strukturwandel nicht feststellen, ja eben sogar leugnen und aktiv mit beschleunigen.

Bei Herrn Hahn ist die Rede von Aufregung und Degradierung, persönlicher Betroffenheit, teilweiser Veräppelung seiner selbst und Unwissenheit der Urheber im Zusammenhang mit einem Transparent, das eben diese hochschulpolitische Entwicklung zu benennen sucht.

Was sind die Ursachen dieser narzisstischen Kränkungen und egozentrischen Reduktionen?

Zum einen ist es sicherlich die Projektion der latent bewussten begrifflichen Impotenz, als Reaktion auf die ganz archaische Existenzangst des Menschen: Es gibt keine andere Wahl - Im Namen der Freiheit wird die Unmöglichkeit der Freiheit verkündet.
Das ewige Diktum von der dringenden Notwendigkeit der Veränderung ist ein Wesensmerkmal des entfesselten Kapitalismus.

Diese von Sinn gelöste Nebeldebatte auf dem Privat-Blog von Herrn Hahn, um die Intention der Unterstellung beim Gegenüber steht exemplarisch für die totale Aufgabe studentischer Kritik an bildungspolitischen Entwicklungen. Dabei ist gerade die mit Lust affirmativ vorgetragene Argumentationslosigkeit die aus einer bloßen Ohnmacht gegenüber jenen oben genannten Veränderungen resultiert das Erschreckende.
Die psychische Struktur des neoliberalen homo oeconomicus ist psychisch paranoid: Weil er die gesellschaftlichen Verhältnisse als undurchschaubar erfährt, als mythologisch-entfremdete Mächte, glaubt er sich überall bedroht, überall betrogen. Kann er die Verhältnisse nicht durchschauen, entzieht sich die Möglichkeit ihrer vernünftigen Veränderung, so bleibt nichts als Anpassung an das Unausweichliche. (vgl. Stapelfeldt, Gerhard: Geist und Geld, S.149)
Denn „der Glaube an die Unausweichlichkeiten unserer Zeit gehört womöglich zu jenen Illusionen, die notwendig sind, damit das Unausweichliche erst wirklich unausweichlich wird.“ (Liessmann, Konrad Paul: Theorie der Unbildung, S.175)
„Dieser Geist, der sich so den Verhältnissen ausgeliefert wähnt, ist auf den Konformismus verpflichtet, der Stachel der Kritik und der Opposition ist ihm nicht bloß fern - er bekämpft ihn geradezu in sich und anderen. Darum ist er auch masochistisch.“ (vgl. Adorno: GS 8, 115)

Zum anderen ist es die FDP-Floskel, die das Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär pervertiert; Herr Hahn schreibt sinngemäß: „Ich habe es geschafft und ich hatte genügend Zeit, also muss das bei allen anderen auch so funktionieren, ansonsten sind sie nicht geeignet, in jedem Fall nicht Kritik berechtigt.“ Das ist die vermeintlich moderne Interpretation des Homo-Mensura-Satz des antiken Sophisten Protagoras: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der Seienden, dass sie sind und der Nichtseienden, dass sie nicht sind.“ Nur leider verkennt die moderne Version, nebst der Problematik der Relativierung, dass das Maß an allen Menschen und nicht nur an einem einzigen angelegt werden sollte!

Es gäbe doch realiter wichtigere Gegenstände studentischen Kopfengagements, als die Spekulation nach den Verantwortlichen im Sinne des Presserechts, wozu es jedoch eines tieferen Vordringens in die Zusammenhänge der Wirklichkeit bedarf, als nur jener oberflächlich fragmentarischen Belanglosigkeiten im Stile einer Präsentation der eigenen Vorbehalte, wie von gewissen Kommilitonen vorgeführt - sie ist zur ernsthaften Aus-einander-setzung nicht fähig und arrangiert sich mit ihrer Unwissenheit.

Wissen ist überhaupt eine Form der Durchdringung der Welt: erkennen, verstehen, begreifen. Aufklärung über Unbewusstes, Überwindung der inneren Entfremdung, Interpretation von Daten im Hinblick auf ihren kausalen Zusammenhang und ihre innere Konsistenz. Zur Bildung wird dieses Wissen erst, wenn es die erkannten Werte im Sinne einer selbst-ständigen Kompetenz in ein existenziell relevantes System zu verorten vermag.
Die derzeitige Entwicklung im Zeitalter der so genannten >Wissensgesellschaft< sieht leider ganz anders aus: „Wissen, Intelligenz und Bildung werden phantasiert als Denken in den Kategorien, “richtig“ und “falsch“, als schnelle Produktion kurzer Antworten im Multiple Choice-Verfahren, als Personen-, Zeit- und Kultur- unabhängige Fähigkeit, als mess- und vergleichbare Produkte. Der Gedanke an alles Individuelle, Nichtidentische, Unsagbare, Uneindeutige, Interpretierbare, Dialogische kommt gar nicht erst vor.“ (Stapelfeldt, S. 157)

Gerade das, so muss man leider unterstellen, wenn die getätigten Äußerungen auf benanntem Blog ernst genommen werden sollen, wird mit diesen erreicht. Es bleibt bei redundanten Meinungsmitteilungen, Oberflächensemantik, naiven Vermutungen und haltlosen Unterstellungen, die jedoch und diese Feststellung ist das verwunderlich erschreckende, in vollem, den Autoren zur Verfügung stehenden sprachlichen Umfang verteidigt werden, als gelte es einen Preis zu gewinnen; leider ohne jedweden ästhetischen Anklang, oder ironischen Esprit, so dass man zumindest einmal hätte lachen können!

„In keiner geschichtlichen Periode jedoch (...) hing so viel von der Initiative, vom leidenschaftlichen Willen der Jugend zur Wahrheit, von ihrer unbeirrbaren Liebe zur Humanität ab, wie heute von den jungen Frauen und Männern die den Vorzug haben, zur Universität zu kommen und später einmal dazu helfen sollen, dass der geistige Mensch nicht von der Erde verschwindet.“ (Horkheimer: Akademische Freiheit, S.432)
Verzeihen Sie Herr Horkheimer!

Dienstag, 27. Januar 2009

Erfolgreiche Demo in Freiburg durch Polizeirepression gestoert // Zweitausend Menschen demonstrieren fuer Meinungsfreiheit und freie Bildung

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG des Buendnisses fuer Politik- und Meinungsfreiheit (bpm) und des Aktionsbuendnisses gegen Studiengebuehren(ABS)
Freiburg, 26. Januar 2009

Am heutigen Montag demonstrierten etwa 2.000 Menschen fuer freie Bildung und Verfasste Studierendenschaften in Freiburg unter dem Motto "Von der KiTa bis zur Uni: Bildungsblockaden einreissen!".

Heute vor vier Jahren strich das Bundesverfassungsgericht das Verbot von allgemeinen Studiengebuehren aus dem Hochschulrahmengesetz und erklaerte die von den Laenderregierungen auferlegten Beschraenkungen des Rechtes auf freie Meinungsaeusserung von Studierendenschaften fuer zulaessig.

"Mit dieser Demonstration wurde klar gemacht, dass Bildungsgebuehren abschaffbar sind: nicht nur in Freiburg, sondern ueberall“, erklaert Malte Clausen, ein Geschaeftsfuehrer des Aktionsbuendnisses gegen Studiengebuehren (ABS), und ergaenzt: "Die aktuelle Situation im Nachbarland Hessen zeigt, dass dann, wenn der Protest stark genug ist, sogar eine buergerliche Regierung sich nicht mehr traut, Studiengebuehren einzufuehren!"

Trotzdem, oder auch gerade weil, es zu einer spontanen Routenabweichung und der zeitweiligen Blockade einer grossen Kreuzung kam und dadurch die Versammlung aufgeloest wurde, war die Demonstration ein voller Erfolg. Massiv kritisiert wird dabei aber vom ABS und bpm das aggressive und gewalttaetige Auftreten der Polizei, die friedlich demonstrierende Menschen als Straftaeter_innen darstellte, aeusserst brutal vorging und willkuerlich insgesamt 6 Personen festnahm.

Auch abgefilmt und fotografiert wurde von Seiten der Polizei – einen Grund gab es nicht. "Das neue Versammlungsgesetz ist noch nicht in Kraft und doch geht die Polizei bereits aeusserst repressiv danach vor. Ueberwachungsaufnahmen und das Verantwortlichmachen der Versammlungsleitung fuer das Verhalten von Demonstrierenden sind fehl am Platz und schraenken in hoechstem Masse Grundrechte ein", so Johanna Voelker, eine Geschaeftsfuehrerin des Buendnisses fuer Politik- und Meinungsfreiheit.

An allen Freiburger Hochschulen kaempfen Studierende seit Herbst 2008 im Rahmen der gebuehrenFRei-Kampagne wieder verstaerkt fuer eine gebuehrenfreie Bildung. Sowohl an der Katholischen Fachhochschule als auch an der Paedagogischen Hochschule und der Freiburger Universitaet wird momentan die Zahlung der Studiengebuehren von der Studierenden boykottiert. An der Evangelischen Fachhochschule kam es zu einer Flut von Haertefallantraegen.

Informationen und Kontakt zur Freiburger gebuehrenFRei-Kampagne:
www.gebuehrenfreiburg.de

Montag, 19. Januar 2009

Mittwoch, 14. Januar 2009

Studierenden-Wettbewerb des Bundesministeriums des Innern 2009



WAS IST DAS? WAS WIRD DAMIT GEMACHT? WO KOMMT DAS HER?

Teilnahmebedingungen:
• Studierende aller Fachrichtungen, die zum Zeitpunkt der Einsendung an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sind, können sich an dem Wettbewerb beteiligen.
• Die Wettbewerbsbeiträge (nur ein Beitrag je Studierenden bzw. Gruppe) müssen in deutscher Sprache eingereicht werden.
• Die Beiträge müssen zusammen mit einer Kopie des Immatrikulationsbescheides und einem kurzen tabellarischen Lebenslauf eingereicht werden.
• Gruppenarbeiten sind nur bis zu fünf Teilnehmenden zugelassen, wobei auch bei einer wissenschaftlichen Unterstützung durch Dozentinnen und Dozenten oder Professorinnen und Professoren die alleinige Autorenschaft der Studierenden klar erkennbar sein muss. Das Copyright verbleibt bei den Teilnehmenden.
Annahmebedingungen:
• Kategorie Essay/Reportage:
Ein Essay oder eine Reportage im Stil eines Zeitungsartikels muss in schriftlicher sowie elektrischer Form im DOC- oder PDF-Format eingereicht werden. Die Datei kann per E-Mail an GII5@bmi.bund.de oder per CD-Rom eingesandt werden.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Analyse der Außerordentlichen Vollversammlung und des EUle-Besuchs

Im stillen Kämmerchen über ein mehr oder weniger durchdachtes Vorgehen in Sachen Hochschulpolitik entscheiden und dieses auf einer Vollversammlung den Studierenden in der fertigen Fassung vorlegen, es nicht zur Diskussion stellen und pro forma über die bereits beschlossene Sache abstimmen lassen – das war und ist eine Handlungsweise, welche wir häufig an den StudierendenvertreterInnen kritisiert haben. Genau diesen Eindruck haben wir allerdings durch unser Vorgehen bei der außerordentlichen Vollversammlung am 5.11. erweckt.

Nachdem es zuerst in der Augsburger Allgemeinen bekannt gemacht worden war und dann in einer öffentlichen Konventssitzung bestätigt wurde, erfuhren wir vom Angebot der Unileitung, die Studiengebühren im Tausch gegen das Veto-Recht der Studierenden bei der Verteilung der Gebühren, zu senken. Da wir nach eineinhalb Monaten Warten auf eine Reaktion der Studierendenvertreter nicht mehr davon ausgehen konnten, dass dies endlich öffentlich an der Uni zur Diskussion gestellt werden würde, stand der Plan fest, bei der außerordentlichen Vollversammlung die anwesenden Studierenden zu informieren und als für uns logische Konsequenz möglichst viele Menschen für einen anschließenden Besuch in der EUle zu mobilisieren. Dass wir dort vier bereits ausgearbeitete Forderungen vorbringen wollten, stand für uns unumstößlich fest. Zu fragen, was denn die Leute, die wir gerne mobilisiert hätten, denken und wollen, kam uns zunächst nicht in den Sinn. Als während der Vorstellung unseres Antrags eine Diskussion zu allen möglichen und unmöglichen Themen betreffend der Studiengebühren oder des hochschulpolitischen Engagements von „Contra“ losbrach, wurde uns klar, dass wir uns bei den Vorbereitungen zu diesem Tag viel zu sehr auf die Entwicklung unserer Position und das Vorgehen in der EUle konzentriert hatten. Es wurde aber auch klar, dass unter den Studierenden tatsächlich Interesse an hochschulpolitischen Themen und Diskussionen darüber besteht. Vorangegangene Vollversammlungen hatten diesen Eindruck nicht entstehen lassen, was vielleicht eine mögliche Erklärung dafür ist, dass wir diese Veranstaltung auch „nur“ als Infoveranstaltung antizipiert, uns auf Diskussionen und viele verschiedene Meinungen nicht eingestellt hatten, und so entsprechend verunsichert waren.
Das ist für uns durchaus ein Problem, da es uns ein grundsätzliches Anliegen ist, Transparenz zu schaffen und den Diskurs vor allem an der Universität voranzutreiben. Dass uns dies an jenem Tag nur bedingt gelungen ist, war uns und anderen schnell klar. Wie können wir aber zukünftig anders vorgehen? Eine theoretisch fundierte, gut strukturierte Diskussion und Auseinandersetzung ist mit 300 Menschen und unter Zeitdruck kaum möglich. Das Angebot, Montagabend um 19 Uhr (Treffpunkt: vor der alten Cafete) mit uns in einer überschaubaren Gruppe zu diskutieren, gilt natürlich nach wie vor! Grundsätzlich gilt, dass dazustoßen, mitdiskutieren, kritisieren oder nur beobachten kann, wer immer dies tun möchte!

Aber zurück zur außerordentlichen Vollversammlung und dem darauf folgenden Besuch der EUle:
Was hatten wir mit dieser Aktion eigentlich beabsichtigt?
Auch wenn wir eine wirklich demokratische Umgestaltung der Universität, mit neuem Präsidium (oder ganz ohne), gesenkten und bald abgeschafften Gebühren und studentischer Selbstbestimmung sicherlich nicht erwartet hatten, sehen wir keinen Grund unsere Forderungen nicht zu stellen. Der Eindruck, dass solche Forderungen nicht umsetzbar scheinen, zeigt vielmehr wie schlimm es um die realen Verhältnisse steht, als dass es den Widerstand sinnlos machen würde. Vielleicht können nur maximale Forderungen ein minimales Vorankommen sichern. Vielleicht ist dies ein geeigneter Weg, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen. Bereits auf der Vollversammlung haben wir jedoch versäumt, den Inhalt der Forderungen näher zu begründen. Dies soll hier kurz nachgeholt werden:

Natürlich forderten wir zum wiederholten Male die sofortige Senkung der Studiengebühren auf das gesetzlich festgelegte Minimum, da die Unileitung formal und nach Formulierung von Bottkes jüngstem „Gedankenspiel“ anscheinend auch ganz praktisch dazu im Stande ist. Da diese Senkung aber nur als ein Schritt auf dem Weg zur völligen Gebührenfreiheit verstanden werden darf, traten wir auch diesmal wieder unmissverständlich dafür ein, dass sich die erweiterte Universitätsleitung bei der Landesregierung engagiert für die Abschaffung der Studiengebühren einsetzt. Dass Studiengebühren eine gewisse Zahl von potentiellen Studierenden letztlich doch vom Studium abhalten, dass sie Bildung noch stärker vom finanziellen Hintergrund des Elternhauses abhängig machen und so soziale Selektion massiv verstärken, sollte nicht zuletzt dank neuester Studien klar sein.

Die Forderung nach Rücktritt des bestehenden Präsidiums fand unter den anwesenden Studierenden keinen ausreichenden Zuspruch, so dass er gar nicht an die EUle herangetragen wurde. Dennoch scheint es auch im Rückblick einige gute Gründe für die Formulierung dieser Forderung zu geben: Darf jemand, der die Universität zusammen mit den Ansprüchen der Studierenden nach innen und nach außen vertritt oder dies zumindest tun sollte, laut über die Abschaffung eines Teils der sowieso nur marginal vorhandenen studentischen Mitbestimmung nachdenken und die Studierenden so auch noch in die potentielle Lage bringen, diese Mitsprache für 200 Euro pro Semester zu verkaufen? Dürfen diese Personen über ein solches Angebot diskutieren, wenn sie zudem sowieso die Möglichkeit haben, das Veto-Recht der Studierenden jederzeit abzuschaffen und die Höhe der Gebühren in jedem Semester neu zu bestimmen, ohne dass der einzige Vertreter der Studierendenschaft daran auch nur irgendetwas ändern könnte? Darf ein solches Präsidium weiterhin die Leitung unserer Universität inne haben?!

Dies steht in engem Zusammenhang mit unserer Forderung nach einer tatsächlichen demokratischen Umgestaltung der universitären Grundordnung. Damit ist gemeint, dass die Gruppen an der Uni, nämlich das wissenschaftsstützende Personal, die Professoren und die Studierenden entsprechend ihrer Anzahl in den Gremien vertreten sind. Wie lassen sich die 15 Profs in einem Gremium mit 19 Mitgliedern gegenüber einem stimmberechtigten studentischen Vertreter rechtfertigen, wo doch die Universität nur etwa 170 Professoren, aber rund 15.000 Studierende umfasst!
Unser Auftreten in der EUle wurde aber nicht nur von einigen ihrer Mitglieder, sondern auch von KommilitonInnen als „undemokratisch“ gewertet. Warum?
Weil wir keine Mehrheit vertreten? Protest ist ein ganz grundlegendes Recht in der Demokratie und das sicherlich nicht nur für Mehrheiten. Wie anders sollten Individuen sonst ihre außerhalb des Mainstreams liegenden Interessen vertreten?
Oder undemokratisch, weil wir die bestehenden herrschaftsstabilisierenden Gesprächskonventionen gebrochen haben? Gerade das ist für uns jedoch Ausdruck einer konsequent formulierten Forderung nach Demokratie. Der Wunsch nach einer Universität (und zuletzt einer Gesellschaft) ohne repressive Autoritäten und unterdrückte Bedürfnisse kann nicht bei seiner Artikulation aufhören. Es geht darum, Forderungen klar und deutlich zu formulieren, einen Standpunkt zu beziehen und diesen nicht schon durch unterwürfiges Verhalten zu verwässern. In einer Demokratie muss es möglich sein, Kritik auf Augenhöhe zu äußern, ohne Kniefallrituale vor dem Selbstverständnis nach scheinbar unhinterfragbaren Autoritäten zu vollziehen.
Die Idee von der Universität als theoretischer und praktischer Gesellschaftskritik ist so neu nicht. Sie meint vor allem die Kritik jeder Autorität, da der Geist der Wissenschaft auch der Geist der Freiheit ist!1
Dass diese Ansicht vielleicht nicht von allen geteilt wird, die uns zur EUle begleitet haben und dass einige mit unserem Vorgehen nicht ganz einverstanden waren, ist schnell deutlich geworden und lag unter anderem sicherlich daran, dass wir dieses Vorgehen vorher nicht näher begründet hatten. Trotzdem war und ist nicht zu erwarten, dass wir als homogene Masse, vor der Unileitung oder anderswo auftreten. Natürlich gibt es unterschiedliche Meinungen und Methoden, sicherlich häufig auch unterschiedliche Ziele. Bis zu welchem Grad eine konzeptionelle und praktische Zusammenarbeit möglich und gewollt ist und wie sich diese dann gestaltet, muss im Einzelfall geklärt werden.

Aber was hat das alles nun gebracht? Eine Frage, die man aus sehr vielen verschiedenen Sichtweisen sicherlich sehr unterschiedlich beantworten kann. Einige der Ergebnisse aus unserer Sicht sollen im Folgenden kurz dargestellt werden.

Zunächst haben wir das Ziel, unsere KomillitonInnen auf dieses heikle Thema der Hochschulpolitik aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anzuregen sicherlich erreicht, wenn dies auch nur für einen kleinen Teil der Studierendenschaft zutreffen mag. Durch die hitzige Diskussion wurde deutlich, dass das Bedürfnis nach einer Hochschulpolitik vorhanden ist, die die Studierendenschaft direkt in Entscheidungsprozesse involviert und durch diese die Politik legitimiert.
In der EUle-Sitzung wurde auch schnell klar, dass eine Senkung der Gebühren, die bisher immer noch in diffuser Form im Raum stand, in diesem Gremium nicht gewünscht wird. Deutlicher hätte man sich hier gar nicht ausdrücken können. Das gilt auch für die Meinung des Vizepräsidenten Prof. Loidl, der deutlich macht, dass der, der mehr Demokratie möchte doch bitte nach Kuba gehen solle. Von gleicher Seite wird außerdem erwartet, dass dem gesamten Gremium die sofortige Entlassung durch die bayerische Landesregierung droht, sollte man sich dazu entschließen demokratischere Strukturen an der Universität zu verwirklichen. Im Zuge der Beschwörung der doch schon relativ demokratischen Universität Augsburg, offenbarte sich gleich darauf der Charakter der studentischen Mitbestimmung als Almosen an die Studierenden. Selbst solche „Rechte“ wie das Veto-Recht oder 1 Stimme (gegen 18) in der EUle gehen über das bayerische Hochschulrahmengesetz hinaus und man solle doch bitte schön dankbar dafür sein, dass wir hier in Augsburg so viel Demokratie genießen dürfen. Unerwähnt bleibt, dass einem solche „Rechte“ auch jederzeit von eben diesem Gremium (der Eule) wieder genommen werden können. Wäre man auf anderem Wege zu derart klaren Aussagen gekommen?
Wie ist das häufige Schweigen, die große Aufregung und die langen, häufig inhaltsleeren Ansprachen mancher EUle-Mitglieder zu werten? Gab es hier tatsächlich ein Stocken oder gar Unsicherheit im sonst so eingespielten universitären Ablauf? So war es bezeichnend, dass die Form der Unterredung in den Vordergrund gerückt und kritisiert wurde, nicht aber auf die Inhalte, also die Forderungen, eingegangen wurde.
Letztlich hat diese Protest-Aktion auch verdeutlicht, dass die Studierenden nicht alle Maßnahmen von höherer Stelle erdulden und dass die momentanen Entwicklungen an unserer und anderen Universitäten mitnichten auf breites Einverständnis stoßen!

Contra

Freitag, 28. November 2008

 
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